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„Das denkende Weidenmädchen“ ist eine Künstlerinnengruppe aus Zentral-Anatolien. 3 Frauen, 3 Dörfer, 3 Bäume.Geborgen, aufgewachsen, beheimatet unter Sonne, Mondsichel und darin ruhendem Stern. Umrahmt von Gebirgen, Bäumen, Tieren.Gefahrlos. Geschützt. Verwurzelt. Bildungsfern, menschennah und oft jung vergeben. Berauscht von der Sehnsucht nach einer neuen Definition für die romantische Vorstellung eines unterbelichteten Weidenmädchens betrachten die „denkenden Frauen“ amazonengleich trohnend ihre Dörfer von den Höhen der Feenkamine, sind neugierig auf das Dahinter, sehen den weiten Horizont.

Sie haben einen Vater, eine Mutter, Brüder, Schwestern, Cousinen, Cousins. Sie haben einen Wunsch. Anwältin zu werden, zu studieren, trotzdem zu heiraten, glückliche promovierte Kinder mit starken und funkelnden Männern zu machen. Sie haben keine Vorstellung von einem Berlin, das ihnen mehr bieten kann, als ihr staubiges Dorf, in der Hitze des Sommers, in der Hitze des Ofens in der Mitte des Ortes, in dem alle ihr Brot backen. Es gibt Nahrung, ein Dach ohne Antennen über dem Kopf, eine heilige Familie.

Informationen gewinnt man hier über Erinnerungen, gebündelt in Märchen, die abends beim Feuer erzählt werden. Das anatolische Rotkäppchen trägt ein purpurfarbenes Kopftuch, vom Sandsturm zerfetzt, die schnurrende Katze poliert ihre schnittigen Stiefel, die wilde Prinzessin köpft grauhaarige Verehrer mit alten Hüten.Erst Jahre später rieselt abends der Fernseher und taucht die anatolischen Dörfer in sein blaues, westlich orientiertes, magisches Licht. Die denkenden Weidenmädchen haben keine Vorstellung vom grauen Berlin. Nur deshalb sind sie zu uns gekommen. Durch sie wird es bunt. Ohne den heldenhaften Mut, die eigenen Wurzeln zu durchschneiden um die Neugierde zu stillen, wäre kein Vergleich möglich, kein Hier-Bleiben-Wollen je hinterfragt. Das Lebewohl wäre trotz Abschiedsgeld nicht leichter als die Ankunft.

Die schwerwiegenden, textilen Bäume erzählen Geschichten vom Wachstum in alle Richtungen. Zeitgleich, zeitlos, anachronistisch. Nach oben, nach unten, nach rechts und nach links. Himmel, Erde, Osten, Westen, Abendland, Morgenland. Sie erzählen die uralte Geschichte vom Leben und Sterben. Blätter schweben und landen zaghaft, rot, golden auf schwarzem Boden und nähren die wurzelverflochtene Erde. Die Bäume versprechen einen festeren Halt, als jedes betonierte Fundament es bieten kann. Durch ihre Wurzeln in lebendiger Erde, genährt von uraltem Wissen. (um das Mysterium der Schöpfung.) In phantasieanregenden Formeln, die sie durch stundenlanges Betrachten der mächtigen Gewächse errechnet und diese in ihren nächtlichen Träumen geprüft und wieder gegengerechnet haben, machen uns die denkenden Weidenmädchen das Geheimnis der Bäume zugänglich. Dieses in die Baumskulpturen eingenähte Wissen, spendet dem Betrachter tiefes Vertrauen in den logischen Ablauf seines eigenen geistigen Wachstums. Die Weidenmädchen bieten uns die Möglichkeit durch die intuitive Art der Gestaltung Altes zu überdenken und Neues zu erkennen.So auch die Erkenntnis, dass die emanzipierte Frau aus der westlichen Großstadt ein fühlendes Wesen ist !